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© Susanne Lang

 

Literatur

Wenn ich etwas im Überfluss besitze, dann sind das Bücher. Andere Frauen kaufen angeblich dauernd Schuhe oder Klamotten und dergleichen. Bei mir sind Bücher weitaus gefährlicher. Diese Leselust hat schon sehr früh eingesetzt, bereits in der Volksschule, und hat sich im Lauf der Jahre einfach nicht therapieren lassen (nicht, dass ich es versucht hätte). Irgendwann, auch beeinflusst durch mein Studium, habe ich beschlossen: Meine damals noch kleine Bibliothek muss katalogisiert werden, sonst verliere ich eines Tages den Überblick. Mittlerweile türmen sich über 1300 Bücher in meinen Regalen, die unter der Last ächzen, aber noch brav standhalten. Und ständig kommen neue Werke hinzu. Dabei warten einige hundert Bücher darauf, endlich gelesen zu werden, aber sei's drum.

Erstaunlicherweise gibt es nur sehr wenige Bücher, die mich nachhaltig beeindruckt oder gar beeinflusst haben, und noch geringer ist die Zahl derer, die ich mehrmals zur Hand genommen habe. Die Werke meines persönlichen Literatur-Gottes Guy Gavriel Kay gehören ebenso dazu wie die Romane von Bret Easton Ellis oder Michel Houellebecq. Andere Bücher dagegen habe ich zwar als unterhaltsam, aber dennoch nicht besonders weltbewegend empfunden - was dann meist den Effekt hat, dass ich über diese Werke nicht viel mehr sagen kann, als dass sie mir gefallen haben, aber Details haben dann die Angewohnheit, meinem Gehirn recht rasch wieder zu entfleuchen. Grobe Handlungsstrukturen bleiben natürlich hängen, aber es ist in solchen Fällen dann oft schwierig, genau zu belegen, warum gerade dieses Buch lesenswert sein soll. Gut, dieses Problem habe ich auch mit Kays Romanen, was aber der Komplexität und der Detailfülle zugeschrieben werden kann. Deswegen lese ich sie auch immer wieder aufs Neue gern, und obwohl ich genau weiß, wie sie ausgehen werden (außer im Fall von A Song for Arbonne und The Last Light of the Sun, da ist es schon zu lange her), ist es jedes Mal ein Vergnügen, und jedes Mal muss ich mich an bestimmten Stellen mal ordentlich schneuzen, ehe ich weiterlesen kann. Da nützt die beste Vorbereitung nichts.

In dieser Sektion meiner Website werde ich verschiedene Arbeiten bzw. Aufsätze zu unterschiedlichsten literarischen Themenbereichen und Autoren inkludieren. Derzeit beschränkt sich die Auswahl auf einen Text über Bret Easton Ellis' American Psycho (eines der wenigen Bücher, die ich innerhalb von zwei Tagen durch hatte und die in mir den Drang ausgelöst haben, dazu etwas zu schreiben), eine überarbeitete und leicht gekürzte Version meiner Diplomarbeit zum Parzival und eine kurze Arbeit über das Wesen der phantastischen Literatur, die sozusagen ein Relikt aus meinen Vorbereitungen zum Rigorosum darstellt. Bei dieser Gelegenheit habe ich mich auch mit Friedrich Schillers Geisterseher befasst; eine kurze Abhandlung dazu steht ebenfalls zur Einsicht bereit.

Beim Durchstöbern alter Uni-Unterlagen bin ich kürzlich allerdings auch auf eine Proseminararbeit über Heinrich von Kleists Die Famile Schroffenstein gestoßen, und beim Durchlesen wurde mir wieder bewusst, dass Kleists Erstlingsdrama in seiner bemühten Dramatik und Tragik vor allem eines ist: unfreiwillig komisch. Dennoch lassen sich bereits hier einige Elemente ausmachen, die später für Kleist (übrigens einer meiner absoluten Lieblingsautoren) typisch werden sollten: Doppelbödigkeit, das Gegeneinander von Sein und Schein, Identitätskrisen, sprachliche Divergenzen, Kommunikationsprobleme, die einigende Kraft der Liebe, die Macht des Verdachts. Trotz aller unfreiwilligen Komik und der unbestreitbar noch fehlenden Brillanz späterer Kleist-Werke wurden die Schroffensteiner zu Unrecht ignoriert, denn bei aller Absurdität wird die Handlung konsequenz bis zum bitteren Ende durchgehalten. Die Zeitgenossen Kleists erkannten denn auch das Genie hinter dem Drama, auch wenn einige trotzdem der Ansicht waren, der letzte Akt wäre verurteilenswert (Shakespeare hatten sie zu dieser Zeit offenbar schon vergessen). Neu sind jetzt die kurze Arbeit über das Motiv des Aussatzes in der mittelalterlichen Dichtung sowie eine Seminararbeit über die Lyrik des 13. Jahrhunderts, die sich im Übrigen vielleicht auch ganz gut in der Geschichte-Sektion machen würde, da der erste Teil der Arbeit aus historischem Hintergrundwissen zu Politik, Sozialem, Kirche und Kultur umfasst.