Gesellschaft
Über
gesellschaftliche Vorgänge könnte man ganze Bibliotheken füllen
- andere Leute, die mehr Zeit haben als ich, tun das vermutlich auch.
Ich beschränke mich meistens darauf, gesellschaftliche Entwicklungen
zu beobachten und mir meinen Teil dazu zu denken bzw. mit anderen Menschen
darüber zu diskutieren, was mitunter sehr, sehr mühsam sein
kann. So gab es vor einigen Jahren einen ziemlichen Wirbel in Graz, als
eine Broschüre Frauen empfahl, beim Fortgehen eine zweite Garnitur
Kleidung mitzunehmen, um so möglichen Vergewaltigungen von vornherein
vorzubeugen. Das trat eine Debatte los, die sich gewaschen hatte. Viele
Frauen fühlten sich auf den Schlips getreten (war das jetzt überhaupt
politisch korrekt?) und argumentierten, derartige Empfehlungen würden
ihnen implizit die Schuld an einer Vergewaltigung zuschieben. Soll heißen:
Wenn sich eine Frau "aufreizend" kleidet, anstatt, überspitzt
ausgedrückt, in Sack und Asche einher zu wandeln, und wenn sie dann
Opfer einer Vergewaltigung wird, ist sie selbst schuld, denn: Sie hätte
dem ja mit adäquater Kleidung vorbeugen können. Ich habe damals
mit mehreren Leuten über diese Broschüre diskutiert, weil ich
der Ansicht war, dass derartige Ratschläge nichts bringen und außerdem
den Eindruck vermitteln, als würde hinter jedem Busch ein Triebtäter
lauern - ganz abgesehen davon, dass implizit auch Männer nicht sonderlich
gut wegkommen, wird ihnen doch unterstellt, dass sie beim Anblick eines
kurzen Rockes oder eines tiefen Ausschnittes kollektiv die Beherrschung
verlieren. Das ist in meinen Augen auch eine Form von Sexismus. Die daraus
resultierende Debatte war, kurz gesagt, eine Nervenprobe, denn egal, welche
Argumente ich vorgebracht habe, sie stießen auf taube Ohren. Anstatt
aber darauf einzugehen und plausible Gegenargumente zu bringen, beschränkten
sich viele meiner damaligen Gesprächspartner darauf, einfach ihre
Tiraden zu wiederholen, die größtenteils die Schiene "Ja,
aber das ist doch nur ein Ratschlag, was soll daran sexistisch sein?"
bedienten. Es hat nur noch gefehlt, dass mich die Leute für völlig
plem-plem erklärt haben. Irgendwann bin ich genervt aus der Debatte
ausgestiegen; seither passe ich genauer auf, mit wem ich über welches
Thema diskutiere - nicht nur im Hinblick auf gesellschaftliche Themen.
Zu diesen Themen gehört auch
der immer stärker um sich greifende Schönheitswahn - Wahn in
dem Sinn, dass viele Menschen, Männer wie Frauen, heutzutage kaum
noch etwas unversucht lassen, um einem Ideal näher zu kommen, das
hochgradig absurd ist und dessen Entstehung sich kaum noch nachvollziehen
lässt. Dass die Medien und die Werbung dabei eine nicht unwesentliche
Rolle spielen, liegt auf der Hand, und diverse TV-Shows, vor allem auf
Privatsendern, verstärken noch den Druck des "Du musst jung,
genormt schön und möglichst perfekt sein, um Erfolg zu haben".
Dass viele Menschen dabei auf der Strecke bleiben, weil sie trotz kosmetischer
Operationen und dergleichen an einem unterentwickelten Selbstbewusstsein
leiden; dass manche Menschen den Hang zur Schönheits-OP bis ins Exzessive
steigern und mehr nach Puppe als nach Mensch aussehen; dass Schönheitsideale
auch zu Ess-Störungen führen können - das wird viel zu
oft einfach vom Tisch gewischt. Ich habe vor einiger Zeit, sozusagen inspiriert
durch die Doku-Soap The Swan, die damals auf
Pro7 lief, das Thema ein wenig recherchiert, speziell im Hinblick auf
Schönheitsoperationen in Salzburg; der daraus resultierende Artikel
hätte eigentlich in einer Salzburger Monatszeitung erscheinen sollen,
wurde aber aus verschiedenen Gründen nie gedruckt. Aber wozu gibt's
das Internet?
|
|