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© Susanne Lang

 

Gesellschaft

Über gesellschaftliche Vorgänge könnte man ganze Bibliotheken füllen - andere Leute, die mehr Zeit haben als ich, tun das vermutlich auch. Ich beschränke mich meistens darauf, gesellschaftliche Entwicklungen zu beobachten und mir meinen Teil dazu zu denken bzw. mit anderen Menschen darüber zu diskutieren, was mitunter sehr, sehr mühsam sein kann. So gab es vor einigen Jahren einen ziemlichen Wirbel in Graz, als eine Broschüre Frauen empfahl, beim Fortgehen eine zweite Garnitur Kleidung mitzunehmen, um so möglichen Vergewaltigungen von vornherein vorzubeugen. Das trat eine Debatte los, die sich gewaschen hatte. Viele Frauen fühlten sich auf den Schlips getreten (war das jetzt überhaupt politisch korrekt?) und argumentierten, derartige Empfehlungen würden ihnen implizit die Schuld an einer Vergewaltigung zuschieben. Soll heißen: Wenn sich eine Frau "aufreizend" kleidet, anstatt, überspitzt ausgedrückt, in Sack und Asche einher zu wandeln, und wenn sie dann Opfer einer Vergewaltigung wird, ist sie selbst schuld, denn: Sie hätte dem ja mit adäquater Kleidung vorbeugen können. Ich habe damals mit mehreren Leuten über diese Broschüre diskutiert, weil ich der Ansicht war, dass derartige Ratschläge nichts bringen und außerdem den Eindruck vermitteln, als würde hinter jedem Busch ein Triebtäter lauern - ganz abgesehen davon, dass implizit auch Männer nicht sonderlich gut wegkommen, wird ihnen doch unterstellt, dass sie beim Anblick eines kurzen Rockes oder eines tiefen Ausschnittes kollektiv die Beherrschung verlieren. Das ist in meinen Augen auch eine Form von Sexismus. Die daraus resultierende Debatte war, kurz gesagt, eine Nervenprobe, denn egal, welche Argumente ich vorgebracht habe, sie stießen auf taube Ohren. Anstatt aber darauf einzugehen und plausible Gegenargumente zu bringen, beschränkten sich viele meiner damaligen Gesprächspartner darauf, einfach ihre Tiraden zu wiederholen, die größtenteils die Schiene "Ja, aber das ist doch nur ein Ratschlag, was soll daran sexistisch sein?" bedienten. Es hat nur noch gefehlt, dass mich die Leute für völlig plem-plem erklärt haben. Irgendwann bin ich genervt aus der Debatte ausgestiegen; seither passe ich genauer auf, mit wem ich über welches Thema diskutiere - nicht nur im Hinblick auf gesellschaftliche Themen.

Zu diesen Themen gehört auch der immer stärker um sich greifende Schönheitswahn - Wahn in dem Sinn, dass viele Menschen, Männer wie Frauen, heutzutage kaum noch etwas unversucht lassen, um einem Ideal näher zu kommen, das hochgradig absurd ist und dessen Entstehung sich kaum noch nachvollziehen lässt. Dass die Medien und die Werbung dabei eine nicht unwesentliche Rolle spielen, liegt auf der Hand, und diverse TV-Shows, vor allem auf Privatsendern, verstärken noch den Druck des "Du musst jung, genormt schön und möglichst perfekt sein, um Erfolg zu haben". Dass viele Menschen dabei auf der Strecke bleiben, weil sie trotz kosmetischer Operationen und dergleichen an einem unterentwickelten Selbstbewusstsein leiden; dass manche Menschen den Hang zur Schönheits-OP bis ins Exzessive steigern und mehr nach Puppe als nach Mensch aussehen; dass Schönheitsideale auch zu Ess-Störungen führen können - das wird viel zu oft einfach vom Tisch gewischt. Ich habe vor einiger Zeit, sozusagen inspiriert durch die Doku-Soap The Swan, die damals auf Pro7 lief, das Thema ein wenig recherchiert, speziell im Hinblick auf Schönheitsoperationen in Salzburg; der daraus resultierende Artikel hätte eigentlich in einer Salzburger Monatszeitung erscheinen sollen, wurde aber aus verschiedenen Gründen nie gedruckt. Aber wozu gibt's das Internet?